Sehr geehrter Andreas, wann hat deine politische Karriere begonnen und siehst du es, eine oeffentliche Person zu sein, eher als Privileg oder als Verantwortung?
Meine politische Karriere begann im Jahr 2006 als Gemeinderat in meiner Heimatstadt Korneuburg. Fuenf Jahre spaeter, im Jahr 2011, wurde ich Gemeinderat fuer Wirtschaftsangelegenheiten, bevor ich im Oktober 2019 zum Abgeordneten des oesterreichischen Parlaments gewaehlt wurde. Fuer mich ist es eine grosse Ehre und ein besonderes Privileg, eine oeffentliche Person zu sein. Gleichzeitig sehe ich darin auch eine grosse Verantwortung, naemlich fuer alle Menschen in Oesterreich zu arbeiten, unabhaengig von ihrer Herkunft, ihrer Religion oder ihrem sozialen Hintergrund. Politik bedeutet fuer mich, Bruecken zu bauen und das Vertrauen der Menschen durch ehrliche und verlaessliche Arbeit zu rechtfertigen.
Wann hattest du erstmals Kontakt zu Kosovaren und welchen Eindruck hast du von ihnen?
Mein erster direkter Kontakt mit Albanern aus dem Kosovo erfolgte ueber die parlamentarische Gruppe der Vereinigung der oesterreichisch-kosovarischen Freundschaft im Parlament. Damals lag der Hauptfokus auf der Anerkennung der kosovarischen Fuehrerscheine in Oesterreich, einem Thema, das fuer viele Menschen von grosser Bedeutung war und bereits seit Jahren behandelt wurde. Schon bei diesem ersten Kontakt habe ich die Kosovaren als aussergewoehnlich engagierte, herzliche und entschlossene Menschen erlebt, die sich stark fuer ihre Gemeinschaft einsetzen und gleichzeitig grossen Respekt gegenueber Oesterreich zeigen. Diese Begegnungen haben meinen Wunsch verstaerkt, die Beziehungen zwischen unseren Laendern weiter zu vertiefen.

Kannst du fuer unsere Leser kurz die Geschichte der “Oesterreichisch kosovarischen Freundschaftsgesellschaft” schildern: wann wurde sie gegruendet, was sind ihre Vision, ihre Mission und ihre Ziele, und wer sind ihre Mitglieder?
Die “Oesterreichisch kosovarische Freundschaftsgesellschaft” wurde im April 2016 von meinem Kollegen, dem Europaabgeordneten Lukas Mandl, gemeinsam mit vielen engagierten Unterstuetzern gegruendet. Von Beginn an verfolgte der Verein klare und zukunftsorientierte Ziele: die Unterstuetzung der Visaliberalisierung fuer den Kosovo, die Begleitung des Landes auf seinem Weg zur EU Mitgliedschaft, die Foerderung des Beitritts zum Europarat sowie die Vertiefung der bilateralen Beziehungen in allen gesellschaftlichen Bereichen. Einige Jahre nach der Gruendung hatte ich das Privileg, Teil dieser Freundschaftsgesellschaft zu werden. Heute setzen wir uns mit grossem Engagement dafuer ein, die Verbindung zwischen Oesterreich und dem Kosovo auf politischer, wirtschaftlicher, kultureller und menschlicher Ebene weiter zu staerken und neue Bruecken der Zusammenarbeit zu bauen.
Wie sind die Beziehungen zwischen Oesterreich und dem Kosovo heute und wie bewertest du die Rolle der “Freundschafts…” Gesellschaft, der du vorstehst, bei der Staerkung und Weiterentwicklung dieser Beziehungen?
Ich bin der Ansicht, dass sich die Beziehungen zwischen Oesterreich und dem Kosovo derzeit auf einem aussergewoehnlich positiven und stabilen Niveau befinden. Es gibt einen intensiven und vertrauensvollen Austausch auf allen Ebenen, politisch, wirtschaftlich und kulturell. Besonders hervorheben moechte ich den regelmaessigen Dialog mit dem kosovarischen Botschafter in Wien, der nicht nur im Rahmen offizieller Anlaesse stattfindet, sondern auch als kontinuierlicher und offener Austausch ueber aktuelle Themen gefuehrt wird. Als Vorsitzender der “Oesterreichisch kosovarischen Freundschaftsgesellschaft” sehe ich unsere Aufgabe darin, diesen Dialog aktiv zu foerdern, neue Impulse zu setzen und gemeinsame Projekte zu initiieren. Wir verstehen uns als Brueckenbauer zwischen unseren beiden Laendern, mit dem Ziel, die bereits ausgezeichneten Beziehungen weiter zu vertiefen.

Fuer Kosovaren, die in Oesterreich leben, bist du insbesondere durch das Projekt “Agenda Kosovo 2030” bekannt geworden. Worum geht es bei diesem Konzept genau?
Die “Agenda Kosovo 2030” ist zugleich eine Vision und ein konkretes Ziel. Gemeinsam mit unseren Partnern in Oesterreich und im Kosovo wollen wir auf eine Mitgliedschaft des Kosovo in der Europaeischen Union bis zum Jahr 2030 hinarbeiten. Dieses Ziel ist ambitioniert, aber erreichbar, wenn Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam handeln. Die Agenda steht fuer einen klaren europaeischen Kurs des Kosovo, fuer Reformbereitschaft, Fortschritt und Stabilitaet. Oesterreich spielt dabei eine besondere Rolle, da uns historisch enge Beziehungen verbinden und unser Land den Kosovo im Prozess der europaeischen Integration aktiv unterstuetzt. Ich bin ueberzeugt, dass mit gebuendeltem Einsatz der Traum einer EU Mitgliedschaft des Kosovo Wirklichkeit werden kann.
Auf Bezirks, Gemeinde und Landesebene gibt es in ganz Oesterreich bereits Politikerinnen und Politiker aus Albanien und dem Kosovo. Ist es deiner Meinung nach an der Zeit, auch einen Kollegen kosovarischer Herkunft im oesterreichischen Parlament zu haben?
Ja, absolut. Ich halte es fuer einen vollkommen natuerlichen und wichtigen naechsten Schritt, auch Abgeordnete mit kosovarischer oder albanischer Herkunft im oesterreichischen Parlament willkommen zu heissen. Viele Menschen mit Wurzeln im Kosovo oder in Albanien leisten in Oesterreich aussergewoehnliche Beitraege, sei es in der Wirtschaft, in der Kultur, im Bildungsbereich oder zunehmend auch in der Politik auf kommunaler und regionaler Ebene. Diese Entwicklung zeigt, dass Integration in Oesterreich gelingt, wenn Menschen engagiert sind und Verantwortung uebernehmen. Eine parlamentarische Vertretung durch einen Abgeordneten kosovarischer Herkunft waere daher nicht nur ein Symbol gelungener Integration, sondern auch ein Gewinn fuer unsere Demokratie. Vielfalt staerkt die Politik und spiegelt das moderne und offene Oesterreich wider, das wir gemeinsam gestalten wollen.


